Unsere Analyse des städtischen Klimaschutzkonzeptes

Bayreuth wird ohne weitere Anstrengungen das Ziel verfehlen

Der Bayreuther Stadtrat hat 2022 hat die Klimaneutralität bis 2040 beschlossen. Die Fortschreibung des ausgelaufenen Klimaschutzkonzeptes muss quantifizierte Meilensteine enthalten, die die Zielerreichung sicherstellen.

Konzept ist unvollständig

Das Monitoring enthält vor allem Maßnahmen, welche die kommunale Verwaltung selbst betreffen. Diese machen lediglich 2% der Emissionen aus. Für städtische Beteiligungen wie z.B. die Stadtwerke Bayreuth fehlen bislang konkrete Maßnahmen. Desweiteren fehlen Kennzahlen für Haushalte und Industrie/Gewerbe,Handel, Dienstleistungen. Diese sind für den Großteil der Emissionen verantwortlich.

Maßnahmen sind nicht ausreichend quantifiziert

Die Summe aller Maßnahmen eines Klimaschutzkonzeptes sollte insgesamt 100% der erforderlichen Senkungen repräsentieren. Verschobene oder abgebrochene Maßnahmen sind zu ersetzen. Dies ist aktuell nicht der Fall. Nur ca. 9% aller CO2 Emissionen sind tatsächlich messbar hinterlegt.

Fokus auf große Hebel fehlt

Vor allem in den drei wichtigsten Bereichen Wärme, Erneuerbare Energien und Verkehr fehlen konkrete Maßnahmen mit klaren Verantwortlichkeiten und messbaren Zwischenzielen. Das Monitoring enthält viele flankierende, vorbereitende und sinnvolle Maßnahmen, die aber die Gefahr bergen, den Blick für die großen Herausforderungen zu verlieren.

Verspätung kostet kostet Geld

Abgesehen von den enormen Kosten für Klimafolgeschäden, werden jedes Jahr erhebliche Summen für fossile Energien aufgewendet. In 2025 wird die Summe aller fossiler Kosten aller Akteure Bayreuths (Unternehmen, Bürger*innen, Verwaltung) rund 300 Mio. € betragen. Je später Bayreuth klimaneutral ist, umso mehr Geld fließt für Öl und Gas aus Bayreuth ab.

Über die Berechnung

Fossile Kosten meint die Geldsumme, die alle Bayreuther Akteure beim Tanken, Stromverbrauch und Heizen für fossile Energien ausgeben. Zu den Akteuren zählen Bürger*innen, Unternehmen und Verwaltung.

Ausgangsbasis: Integriertes Klimaschutzkonzept Bayreuth (2019). Berechnete fossile Energieverbräuche (in MWh) und durchschnittliche Energiepreise (Stand 2025):

  • Benzin: 154.194 MWh | 1,79 Euro/l ~ 201,12 Euro/MWh

  • Diesel: 321.304 MWh | 1,66 Euro/l ~ 169,39 Euro/MWh

  • Erdgas: 942.391 MWh | 0,12 Euro/kWh = 120 Euro/MWh

  • Heizöl: 261.785 MWh | 0,95 Euro/l ~ 95 Euro/MWh

  • Strom (fossiler Anteil ~40%): 179.679 MWh | 0,40 Euro/kWh = 400 Euro/MWh

Daraus ergeben sich die fossilen Jahreskosten 2025:

  • Benzin 31 Mio €

  • Diesel 54 Mio €

  • Erdgas 113 Mio €

  • Heizöl 25 Mio €

  • Strom Fossil (geschätzt 40%) 72 Mio €

  • Gesamt 295 Mio €

Anteil der Verwaltung an Emissionen verschwindend gering

Der Anteil der kommunalen Emissionen lag im Jahr 2024 bei nur 1,6%.

Quelle: Stadt Bayreuth; Energieagentur Nordbayern GmbH.

Die Gesamtemissionen sind zu wenig mit konkreten, messbaren Maßnahmen hinterlegt

Quelle: Stadt Bayreuth - Integriertes Klimaschutzkonzept (2022), Monitoring Strand 12.02.26, Auswertung der Klimastimmen.

Daher ist ein Update notwendig

Für 2026 steht die Fortschreibung des städtischen Klimaschutzkonzeptes an. Diese ist eine Chance echte Veränderungen nicht nur konkret zu planen, sondern auch umzusetzen.

Wärmewende

Fast die Hälfte aller Emissionen entsteht im Wärmebereich. Hier müssen bis 2040 rd. 30.000 Heizungen auf emissionsfreie Wärme umgestellt werden.

Verkehrswende

Eigentlich müsste es Antriebswende heißen. Hier geht es darum, rd. 40.000 zugelassene Fahrzeuge auf elektrischen Antrieb umzustellen.

Erneuerbare Energien

Wenn die Sektoren Wärme und Verkehr weitgehend elektrifiziert werden, bedeutet einen steigenden Bedarf an regional erzeugtem grünem Strom. Hierfür ist die Infrastruktur mit Netzen, Speichern und PV- sowie Windkraftanlagen zu ertüchtigen. Dies kann nur in Zusammenarbeit mit Landkreis und Netzbetreibern gelingen.

Beteiligung der Zivilgesellschaft

Benachteiligte Gruppen sind frühzeitig in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Mobilität und ein warmes Zuhause müssen erschwinglich bleiben.

Kaum E-Autos sind in Bayreuth gemeldet

Im Jahr 2024.

Quelle: Statistisches Bundesamt.

Ausbau von Photovoltaik

Quelle: Marktstammdatenregister

Heizungsarten in Bayreuth

Energieträger nach Gebäuden mit Wohnraum im Jahr 2022

Quelle: Zensus 2022

Ambitionierter Klimaschutz braucht einen ambitionierten Plan

Wir haben einen eigenen Klimaaktionsplan erstellt. Über den Navigator sind die Top-Maßnahmen anwählbar.

Zum Klimaaktionsplan

Unser Vorgehen

Pragmatisch und ziel- und handlungsorientiert war unser Vorgehen von der Frage geleitet: Welche Emissionen müssen gesenkt werden, um das Ziel 2040 zu erreichen und welche Maßnahmen werden dafür benötigt? Dafür haben wir das Top-Maßnahmenset der Klimaschutzorganisation LocalZero adaptiert und als Prüfmaßstab angelegt.

1 / Bestandsanalyse

Wir haben das städtische Klimaschutzkonzept, verfügbare Informationen zu Statusberichten und externe Quellen analysiert, um einen Überblick über die Planungen und Handlungen in Bayreuth zu gewinnen.

Der Bayreuther Stadtrat hat 2021 das Ziel "Klimaneutralität 2040" vorgegeben . Für 2019 sind THG-Emissionen von 696.411 t CO₂e bilanziert . Um auf das Beschlussjahr (2021) des iKSK zu kommen, haben wir eine lineare Senkung von 2,2 % pro Jahr unterstellt.

Damit ergeben sich für 2021 ausgestoßene Emissionen von etwa 660.000 t CO₂e. Diese müssten bis 2040 auf netto Null reduziert werden.

Mit dem städtischen Monitoring, welches Anfang 2026 veröffentlicht wurde, liegen neuere Daten für 2020-2024 vor, welche ebenfalls in die Analysen einbezogen werden.

Cover und ein paar Inhaltsseiten des Klimaschutzkonzeptes aufgefächert zur Veranschaulichung.
© Integriertes Klimaschutzkonzept der Stadt Bayreuth mit Drei-Jahres-Aktionsplan (2022)
2 / Umsetzungsdefizite ermitteln

Gemessen am Ziel "Klimaneutralität 2040" haben wir untersucht, ob die geplanten städtischen Maßnahmen hinreichend mit quantifizierten THG-Senkungen, konkreten zeitlichen Meilensteinen, Projekten und Verantwortlichkeiten hinterlegt sind.

3 / Klimaaktionsplan erstellen

Ausgangslage war ein von LocalZero empfohlener und den Klimastimmen adaptierter Maßnahmenkatalog . Die Gesamtemissionen von 660.000 t CO₂e haben wir auf diese Maßnahmen verteilt. Verteilungsschlüssel und Werte wurden der THG-Bilanz der Stadt Bayreuth entnommen. Zur besseren Vergleichbarkeit wurden die Maßnahmen der Stadt in den Steckbriefen entsprechend zugeordnet und von uns bewertet – in den Abschnitten "Stand laut Stadtverwaltung Bayreuth", sowie "Unsere Bewertung".

4 / Forderungen ableiten

Aus den Diskrepanzen zwischen unserer Analyse, unserem Klimaaktionsplan und dem Stadtratsbeschluss zur Klimaneutralität ergeben sich Forderungen an die Verwaltung und Politik.

5 / Mitmachangebote erstellen & Öffentlichkeitsarbeit

Um unserer und der Verantwortung der Zivilgesellschaft insgesamt gerecht zu werden, haben wir konkrete Angebote zum Mitmachen bestehender Initiativen und neue Ideen gesammelt. Diese Angebote werden in den kommenden Monaten erweitert werden. Hast du eine Idee? Schlag sie vor!

Die Veröffentlichung des Portals mit Analyse, Klimaaktionsplan und Angeboten begleiten wir in den kommenden Wochen kommunikativ auf relevanten Kanälen.

Wie es weiter geht

Uns ist klar, dass es mit dem Launch der Plattform nicht getan ist. Um das Ziel 2040 wirklich zu erreichen, bedarf es gemeinsamen Anstrengungen von Verwaltung und Zivilgesellschaft. Uns ist die ausgestreckte Hand wichtig. Wir möchten aber auch nicht weiter vertröstet werden. Im besten Falle gelingt diese Aktivierung und führt zu einer echten gemeinsamen Gestaltung.

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Blick auf den Marktplatz in Bayreuth von oben.
© Adrian Infernus | Unsplash