Klimaanpassung in Bayreuth

Hitzewellen, Starkregen und Dürreperioden zeigen längst: Die Klimakrise ist Realität. Sie bedroht Gesundheit, Infrastruktur, Natur und Lebensqualität – auch in Bayreuth. Mit klugen Maßnahmen zur Klimaanpassung können wir uns und unsere Umwelt zumindest teilweise vor solchen Gefahren schützen. Dazu gehören mehr Grünflächen, kühlere Stadtquartiere und ein wirksamer Hochwasserschutz. Besonders wichtig ist der Blick auf vulnerable und marginalisierte Gruppen, die von den Folgen der Klimakrise überdurchschnittlich betroffen sind.

Was ist zu tun?

Flächenschonende Stadtentwicklung

Versiegelte Flächen speichern Hitze und verschärfen bei Starkregen das Überschwemmungsrisiko. Im Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe liegt die Stadt Bayreuth mit einer Versiegelung von 46 Prozent im Mittelfeld. Folgende Maßnahmen sollte die Stadt Bayreuth im Rahmen einer klimaangepassten Stadtplanung verfolgen:

  • Keine Ausweitung neuer Siedlungs- und Verkehrsflächen, besonders im Außenbereich

  • Nutzung der Bauleitplanung zur Flächensparpolitik

  • Nachverdichtung im Bestand statt Neubau auf der grünen Wiese

  • Städtebauliche Verträge mit Investor*innen (z. B. Umwandlung von Parkflächen in Grünzonen)

  • Einsatz versickerungsfähiger Materialien

  • Konsequente Umsetzung von Ausgleichsflächen

Waldumbau

1354 Hektar Wald und Gehölze liegen (laut Statistischem Jahrbuch von 2024) im Bayreuther Stadtgebiet. Für 459 Hektar Körperschaftswald, überwiegend im Besitz der städtischen Hospitalstiftung, trägt die Stadt Bayreuth unmittelbare Verantwortung. Eine klimaangepasste Waldwirtschaft sollte Waldflächen zu klimaresilienten Mischwäldern umbauen, um so den Wald als Lebensraum und CO₂‑Senke zu erhalten und auszubauen. Folgende Maßnahmen spielen dabei eine Rolle:

  • Analyse des Baum- und Waldbestands in Abstimmung mit der Forstbehörde

  • Nutzung von Förderprogrammen (z. B. Natürlicher Klimaschutz)

  • Koordination von Flächentausch und Flächenkauf

  • Regelmäßige Austauschformate mit Nachbarkommunen

  • Einbindung der Zivilgesellschaft (z. B. Klimawald)

Stadtbäume schützen und neu pflanzen

Auch im Siedlungsbereich leben zahlreiche Bäume, die zum einen wichtige Beiträge zum Stadtklima leisten und zum anderen bereits stark unter der Klimaerwärmung leiden. Für rund 25.000 Stadtbäume (Stand 2022) hat die Stadt Bayreuth direkte Verantwortung, doch auch auf Bäume im Privatbereich hat sie etwa mit der seit 1979 bestehenden und zuletzt 2005 geänderten Baumschutzverordnung Einfluss. Mit folgenden Maßnahmen kann die Stadt Bayreuth den Baumbestand weiter schützen und ausbauen:

  • Erstellung eines Baumschutzkonzepts

  • Ausbaupfade für mehr Stadtgrün

  • Akuter Schutz bei Hitze und Trockenheit

  • Monitoring des Baumzustands

Hitzegerechtes Bauen und Sanieren

Bestehende Gebäude und Neubauten Gebäude müssen auf steigende Temperaturen vorbereitet werden, unter anderem mit folgenden Maßnahmen:

  • Außenliegende Verschattung (Markisen, Lamellen)

  • Begrünte Fassaden und Dächer

  • Dämmung und bauliche Hitzeschutzmaßnahmen

  • Klimaanlagen

  • Reduzierte Fensterflächen nach Süden

Abkühlung im Stadtraum

Eine hitzeresiliente Stadt bietet Orte, an denen Menschen sich erholen und abkühlen können, zum Beispiel:

  • Fußbecken und Wasserspiele

  • Verdunstungsanlagen

  • Ausbau von Freibädern und öffentlichen Wasserstellen

  • Mehr Bäume und Grünflächen

  • Fassaden‑ und Dachbegrünung

  • Beschattete Plätze und Wege

Beratung, Information und soziale Unterstützung gegen Hitze

Klimaanpassung ist auch eine soziale Aufgabe. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder, Kranke, Schwangere und Menschen in schlecht gedämmten Wohnungen.

  • Beratung und ggf. bauliche Unterstützung für Seniorenheime, Krankenhäuser, Kitas, Schulen und die Universität

  • Informationskampagnen, z. B. zum Verhalten bei Hitze und Karten für Trinkwasserstellen und kühle Orte

  • Notfallplan für Hitzewellen (inkl. möglicher Umquartierungen)

  • Proaktive Kontaktaufnahme zu Menschen in Dachgeschosswohnungen

  • Aufbau von Nachbarschaftsnetzwerken (z. B. regelmäßige Besuche bei Senior*innen)

  • Hitzefrei‑Regelungen für Schulen und Kitas

Klimaanpassung überall mitdenken

Klimaanpassung ist eine Querschnittsaufgabe und muss in allen Bereichen der städtischen Politik mitgedacht werden. Neben den bereits aufgezählten Handlungsfeldern gibt es noch viele weitere, zum Beispiel:

  • Schutz vor Starkregen und Hochwasser

  • klimaangepasste Landwirtschaft

Eine Gruppe Menschen begutachtet Pflanzen die zwischen Steinen einer bepflasterten Straße wachsen. Ein Mensch erklärt.
© Die Summer e.V.

Was tut die Stadtverwaltung Bayreuth?

Unsere Bewertung

Im Klimaschutzkonzept von 2022 und darüber hinaus verleihen Stadtpolitik und -verwaltung der Klimaanpassung große Bedeutung: Bereits seit Anfang 2021 gibt es einen mit Expert*innen besetzten "Beirat für nachhaltige und stadtklimagerechte Planung und Stadtentwicklung". 2024/25 haben die Verwaltung, die Universität und ein Fachbüro unter Einbeziehung eines Bürger*innenrates eine Hitzeschutz-Strategie für die besonders gefährdeten Stadtteile St. Georgen und Burg erarbeitet. Sie wurde Anfang 2026 vom Stadtentwicklungsausschuss beschlossen und einige Sofortmaßnahmen sind bereits in Umsetzung.

Seit dem 1. Mai 2026 bietet die Stadt mit dem Kommunalen Förderprogramm "Blau-Grünes Bayreuth" Unterstützung für private Begrünungs- und Entsiegelungsprojekte an. Dieser Klimaanpassungs-Fonds ist bislang allerdings nur auf insgesamt 15.000 Euro dotiert.

Gleichwohl hat in Politik und Verwaltung in grundlegenden Fragen offensichtlich noch kein Umdenken stattgefunden: Noch immer beschließt der Stadtrat großflächige Versiegelungen für Neubauten wie ein Brauereigelände in Oberobsang auf einer vorherigen landwirtschaftlichen Fläche.

Damit Bayreuth zukunftsfähig wird, braucht es einen übergreifenden Klimaanpassungsplan mit klaren Zielen, messbaren Kennzahlen (z. B. entsiegelte Quadratmeter, Anzahl begrünter Flächen), zeitlichen Meilensteinen und verbindlichen Verantwortlichkeiten.

Maßnahmen der Stadt

Nachfolgend siehst du Maßnahmen aus dem Integrierten Klimaschutzkonzept der Stadt Bayreuth  von 2022, die aus unserer Sicht etwas mit Klimaanpassung zu tun haben. Weitere Informationen zu den einzelnen Maßnahmen und zum Umsetzungsstand stellt die Stadt Bayreuth auf ihrer Plattform "Monitoring Bayreuth"  zur Verfügung.

3.0
Beirat für nachhaltige und stadtklimagerechte Planung und Stadtentwicklung

3.2
Studie zur qualifizierten Innenentwicklung

3.3
Entsiegelung und Begrünung innerstädtischer Bereiche

3.5
Wettbewerbsauslobung nach Nachhaltigkeitsstandards

3.6
Prüfung: Baulandstrategie als Steuerungsinstrument

5.5a
Klimaangepasste Landwirtschaft
Diese Maßnahme stand noch nicht im Klimaschutzkonzept von 2022 und ist seitdem neu hinzugekommen.

5.6
Aufforstung und klimaangepasster Waldumbau

6.6
Initiative „Grün-Blaue-Infrastruktur“

8.4
Suffizienzkampagne Wohnen

Handlungsfeld 11
Anpassung an den Klimawandel
7 Maßnahmen

22 Maßnahmen aus der Hitzeanpassungsstrategie St. Georgen und Burg

© Stadt Bayreuth

Was kann ich tun?

So kannst du unterstützen!

Mach beim Klimawald mit, um den Wald der Zukunft anzulegen und zu erforschen.

Unterstütze die Summer e.V. dabei, naturnahe Flächen in der Stadt anzulegen und zu pflegen.

Entsiegele eine Fläche und reiche sie beim Wettbewerb "abpflastern" ein.

Kümmere dich mit deinen Nachbar*innen um die Stadtbäume vor eurer Tür.

Eine große Gruppe Menschen im Wald mit Gießkannen.
© Klimawald Bayreuth

So kannst du dich selbst schützen

Klimaanpassung beginnt auch im Alltag. Mit folgenden einfachen Maßnahmen kannst du dich vor Hitze schützen:

  • Aufenthalt im Freien auf die Abendstunden verlegen

  • Kopfbedeckungen und Sonnenschutz

  • Siesta‑ähnliche Ruhezeiten an sehr heißen Tagen

  • Richtig Lüften (nachts/morgens)

Informiere dich, wie gut deine Wohnung und dein Arbeitsplatz vor Hitze und Starkregen geschützt sind. Kümmere dich mit deinen Nachbar*innen bzw. Kolleg*innen um bauliche Veränderungen oder macht Druck auf eure Vorgesetzten bzw. Vermieter*innen.

Verschiedene Icons in weißen Kreisen: Ein Thermometer neben der Erde, ein durchgestrichener Wassertropfen, ein Haus im Hochwasser, ein toter Fisch, ein Haus mit Feuer.
Ein blauer Einsatzwagen vom THW steht in der Innenstadt, ein Aufstellschild "Unfall" und Hütchen drumrum. Bei einer Übung in Bayreuth.
© Flickr | Thomas Brenner